Aufruf: Bald ist es zu spät… Was können wir tun?

 

 

Als Reaktion auf den eindringlichen Warnruf von 15.000 Wissenschaftler*innen “Warning to Humanity” im vergangenen November haben französische Wachstumskritiker*innen jetzt einen eigenen Aufruf “Appel: bientôt il sera trop tard … Que faire à court et long terme?” gestartet. Ihr Ziel ist es, ökologische und globalisierungskritische Kräfte stärker zusammenzubringen, um sich gemeinsam für eine Transformation zu einer gerechten und demokratischen Postwachstumsgesellschaft einzusetzen.

Warum dieser Aufruf, warum sein Erfolg?

Wir haben den Aufruf von über 15.000 Wissenschaftler*innen aus 184 Ländern, der am 13. November 2017 erschienen ist, wahrgenommen. Die Wissenschaftler*innen schlagen Alarm aufgrund des katastrophalen Zustand unseres Planeten. Wir haben verstanden, dass es sich hierbei um eine letzte Warnung handelt: Wenn wir jetzt nicht die richtigen Maßnahmen ergreifen, dann ist es “bald zu spät”.

Wir, ökologisch Bewegte, Globalisierungs- und Wachstumskritiker*innen, Degrowth-Aktivist*innen, wollen aus diesem Aufruf praktische Konsequenzen ziehen. Denn wenn es bald zu spät ist, dann ist es jetzt an der Zeit zu handeln. Niemand hält die Lösungen für alle Probleme bereit, aber wir wissen, dass wir das herrschende Paradigma ändern müssen. Der Ausweg besteht weder in Spar- noch in Wachstumspolitik, sondern in einem Bruch mit Produktivismus und Extraktivismus, einem Bruch mit dem naiven Glauben an Technologie und Wissenschaft, einem Bruch mit Autoritarismus und Kapitalismus.

Wir müssen unsere Produktions- und Lebensweise ändern, denn sie sind die Ursache für die aktuelle Situation. Sonst könnte uns das Ende der Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, in die Barbarei führen. Aber wir fangen nicht bei Null an: Wir wissen, dass die Alternativen bereits auf der ganzen Welt existieren. Wir müssen sie zusammenbringen. Denn die 99 Prozent wollen nicht das eine Prozent imitieren – auch wenn die Herrschenden uns das glauben lassen wollen.

Wir müssen unsere Produktions- und Lebensweisen ändern. Aber wir wissen, dass ein Morgen besser sein wird, obwohl oder genau weil wir die CO2-Emissionen auf ein Drittel reduzieren und unsere Ökosysteme erhalten. Wir glauben nicht mehr an eine bessere ferne Zukunft, die uns versprochen wird, sondern wir wollen in einer besseren Gegenwart leben. Der Planet ist reich genug, um 10 Milliarden Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen – wenn wir unsere biologische Vielfalt erhalten und es schaffen, in Harmonie mit anderen Lebewesen zu leben.

Unsere Kämpfe von heute müssen uns an die Gesellschaft von morgen annähern.

Falls dem Klimawandel nicht radikal Einhalt geboten wird, wird er zu massiven Dürren und weltweiten Hungerkrisen führen. Damit die Menschheit nicht wie eine Firma verschwindet, die in Konkurs geht, laden wir euch ein, diesen Aufruf zu unterschreiben und andere einzuladen, das Gleiche zu tun. Damit können wir zeigen, dass die Lösung auf kurze und auf lange Sicht in einer Gesellschaft liegt, in der uns notwendige Güter geldfrei zur Verfügung stehen und wir uns emanzipieren vom Zwang des “immer mehr” an wirtschaftlichem Reichtum und von der Herrschaft über andere Menschen und Lebewesen.

Unterschreibt diesen Aufruf und fordert damit das Ende aller unnützen Megaprojekte (z.B. wie der Flughafen Notre-Dame-des-Landes), eine drastische Arbeitszeitreduzierung, die Vergesellschaftung von Gemeingütern und deren kostenlose Verfügbarkeit (ÖPNV, Schulkantinen, Kultur, Beerdigungen…), eine massive Umverteilung von Einkommen, Vermögen und Erbe sowie mehr Demokratie, um zu einer selbstbestimmten und verantwortungsvollen Gesellschaft zu kommen.

Im Rahmen von Wachstumskritik muss alles neu gedacht werden. Denn die Postwachstumsgesellschaft, die wir fordern, ist nicht weniger vom Gleichen, sie hat keine Verzichtslogik, sondern will ein nachhaltiges Leben durch ein würdevolles Mindest- und Höchstmaß an Einkommen ermöglichen. Auf ein tragfähiges Niveau an Naturverbrauch zurückzukommen heißt eine Zukunft in dieser Welt zu ermöglichen, die es gerade nicht mehr gibt.

Wir, ökologisch Bewegte, Globalisierungs- und Wachstumskritiker*innen, Degrowth-Aktivist*innen, die das gute Leben lieben, rufen dazu auf, sich gemeinsam für eine Transformation zu einer gerechten und demokratischen Postwachstumsgesellschaft einzusetzen. Damit wir eine starke Bewegung werden können, müssen wir unseren Willen bekunden und uns einander annähern. Wir wollen vielfältig sein, unsere Kompetenzen und Alternativvorschläge in einem Netzwerk bündeln, Initiative ergreifen, Widerstand initiieren und damit diejenigen zusammenbringen, die sich der kommenden Barbarei entgegenstellen wollen.

Das Kollektiv an Postwachstumsdenker*innen hinter diesem Aufruf :
Paul Ariès, Vincent Bruyère, Thierry Brugvin, Vincent Liegey, Stéphane Madelaine, Jean-Luc Pasquinet, Anne-Isabelle Veillot, Christophe Ondet, Michel Simonin, Christian Sunt


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